Seifenrechner Tipps und Hilfe


Eigenschaften der Seife


Jodzahl
Die Jodzahl ist ein chemischer Kennwert eines Fettes/Öles. Sie gibt die Anzahl der Doppelbindungen wieder, im Klartext heisst das, je mehr ungesättigte Fettsäuren vorhanden sind, umso höher ist die Jodzahl.
Fette/Öle mit hoher Jodzahl sind oft ranzanfälliger, manche besitzen aber genügend Antioxidantien um das auszugleichen.

geringe Jodzahl: weniger ungesättigte Fettsäuren, mehr gesättigte Fettsäuren, weniger ranzanfällig und oft auch härter
hohe Jodzahl: viele ungesättigte Fettsäuren, pflegender, ranzanfälliger

Reinigung
Um den Wert für die Reinigungskraft einer Seife zu ermitteln, werden die Laurin- und Myristinsäuren addiert. Fette, die hohe Mengen an diesen Fettsäuren enthalten, gelten als klassische Schaumfette (Kokosöl, Palmkernöl, Babassuöl).
Das bedeutet nicht, dass andere verseifte Öle nicht reinigen! Jede Seife hat eine gewisse Reinigungskraft, nur ist sie bei den "Schaumfetten" um einiges höher. Sie ist sogar so hoch, dass Seifen, die große Mengen an Schaumfetten enthalten, austrocknend wirken.
Aus diesen Grund sollte bei einer normalen Duschseife der Anteil an Schaumfetten idealerweise zwischen 20% und 30% liegen.

Reinigung < 12: Geringe Reinigungskraft, sehr milde Seifen (abhängig von der Überfettung)
Reinigung > 22: Starke Reinigungskraft, für normale Duschseifen möglicherweise zu austrocknend (auch abhängig von der Ölmischung und Überfettung)

Härte
Die Härte errechnet sich aus den gesättigten Fettsäuren eines Öls. Diese geben der Seife später ihre feste Konsistenz.
Auch Fette mit einem geringeren Anteil an gesättigten Fettsäuren ergeben durchaus harte Seifen, vor allem dann, wenn viel Ölsäure enthalten ist (z.B. Olivenöl).
Daher kann man aus dem rechnerischen Wert für die Härte nicht 100%ig die Festigkeit der Seife ableiten. Allerdings dicken Seifen mit einem hohen Härte-Wert schneller an und sind im späteren Gebrauch stabiler. smiley
Fette mit vielen ungesättigten Fettsäuren machen die Seife eher weich und im späteren Gebrauch instabiler, so dass sie sich schneller verwäscht.

Härte < 29: Die Seife braucht möglicherweise länger zum Andicken und zum Aushärten. Im Gebrauch wird sie sich schneller verwaschen. Mit Salz und Flüssigkeitsreduzierung kann man gegensteuern.
Härte > 54: Seifen mit einem hohen Wert für Härte dicken oft schnell an und könnten zu hart werden, d.h. beim Schneiden splittern. Sie verwaschen sich auch nicht so angenehm.

Pflege
Im Gegensatz zur Härte werden für die "Pflege" alle ungesättigten Fettsäuren addiert.
Grundsätzlich muss man dazu sagen, dass Seifen Reinigungsprodukte sind, und keine Pflegeprodukte, sie können also nicht so pflegen wie z.B. eine Creme.
Pflegend bedeutet eher, dass die Seife weniger austrocknend, weniger "scharf" auf die Haut wirkt.
Trotzdem darf der Wert für Pflege nicht zu hoch werden, denn solche Seifen könnten weich werden (je nach Anteil an einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren) Außerdem sind Öle, die den Pflegewert stark erhöhen, oftmals ranzanfällig.
Pflege und Härte hängen unmittelbar zusammen, je höher die Pflege ist, umso geringer die Härte und umgekehrt. Auch die Reinigungskraft sinkt mit höheren Pflegewerten.

Pflege < 44: Die Seife wirkt eher austrocknend auf die Haut.
Pflege > 69: Sehr pflegend, aber auch recht weich.

Der tatsächliche (nicht rechnerische) Pflegefaktor der Seife kann auch maßgeblich mit dem Überfettungsgrad, der Ölmischung und weiteren Zusätzen bestimmt werden!

Schaummenge
Die Schaummenge berechnet sich aus Myristin-, Laurin- und Ricinolsäure. D.h. nur Schaumfette und Rizinusöl tragen etwas zur Schaummenge bei.
Grundsätzlich gilt das gleiche, wie schon unter "Reinigung" beschrieben: viele Öle erzeugen verseift einen Schaum, doch großblasigen, üppigen Schaum erreicht man nur unter Verwendung von Schaumfetten.

Schaummenge < 14: Geringere Schaumentwicklung, eher kleinblasiger Schaum.
Schaummenge > 46: Zu starke Schaumentwicklung geht oft einher mit einer zu starken Reinigungskraft. Ist dieser Wert allerdings erhöht, weil eine große Menge Rizinusöl verwendet wurde, darf die Obergrenze ignoriert werden.

Schaumstabilität
Die Schaumstabilität ist z.B. für Rasierseifen wichtig. Sie errechnet sich aus den Anteilen von Stearin- und Palmitinsäure. Das bedeutet, möchte man eine hohe Schaumstabilität, sollte man Fette einsetzen, die höhere Mengen dieser Fettsäuren enthalten.
Beispiele sind z.B. Sheabutter, Kakaobutter und andere Pflanzenbuttern.

Schaumstabilität < 16: Geringe Werte bedeuten, dass der Schaum schnell in sich zusammenfällt. Für Hand- und Duschseifen spielt das eine eher untergeordnete Rolle.
Schaumstabilität > 48: Je höher die Schaumstablilität, desto mehr Stearin- und Palmitinsäuren sind enthalten. Diese machen aber auch die Seife hart, die Seife wird weniger pflegend, je mehr dieser Fettsäuren enthalten sind.

INS
Das ist ein Wert, der aus Verseifungszahl und Jodzahl errechnet wird. Angeblich soll dieser Wert die physikalischen Eigenschaften einer Seife gut wiedergeben.
Ursprünglich wurde die Zahl in den 30er Jahren "erdacht", und im Buch "Essentially Soapmaking" hat der Autor Robert S. McDaniel als erstes den INS Wert benutzt, um die Eigenschaften seiner Seifen zu berechnen.
Laut McDaniel sind Seifen, deren INS-Wert um 160 liegt, am idealsten. Ob ihr den Wert bei euren Überlegungen mit einbezieht, bleibt euch überlassen. Ich habe viele meiner Seifenrezepte durchgerechnet, und tatsächlich passen die Werte von Seifen, die mir gut gefallen, in den Wertebereich.

INS < 136: Seifen die den INS-Wert von 136 unterschreiten, werden normalerweise zu weich (in gewissem Maße kann man mit Wasserreduktion oder Salzzugabe gegensteuern).
INS > 165: Seifen deren Wert über 165 geht, werden ziemlich hart und evtl. bröckelig/splitterig.

Grundsätzliches
Prinzipiell solltet ihr die Eigenschaften-Berechnungen nicht überbewerten. Nicht jede Seife passt in dieses Schema (z.B. reine Olivenölseife), mit etwas siederischer Erfahrung können auch Seifen, die ausserhalb der Werte liegen, schön werden.
Auch Spezial-Seifen, wie Shampoo- oder Rasierseifen liegen oft nicht 100%ig im Wertebereich.
Ebenso gibt es viele Zutaten, deren Einfluss auf die Seife sich nicht so einfach berechnen lässt, zum Beispiel braucht man nur wenige Prozent Bienenwachs, um eine Seife viel härter zu machen. Da das Wachs aber in die Berechnung nur mit den wenigen Prozenten eingeht, würde die Seife viel härter, als der Seifenrechner berechnen kann.
Andere Zutaten, die diese Eigenschaften beeinflussen (z.B. Salz, Zucker, Honig, Früchte) gehen gar nicht in die Berechnung ein. Auch der Anteil an Flüssigkeit kann nicht berücksichtigt werden.

Seht diese Tabelle daher eher als Empfehlung an, nicht als Dogma an dass ihr euch unbedingt halten müsst. smiley